7. Mai 2011 | 20:55 | Blog | 6 Kommentare
Feuer frei

Es gibt Momente im Leben, da schämt man sich für andere. Für RTL zum Beispiel. Was dort nachmittags zu sehen ist, ist an Niveaulosigkeit – und vor allem an Peinlichkeit – kaum zu unterbieten. Das Schlimme daran: Die Zuschauer lieben es. Schauen wir uns doch mal eine Folge der Dokusoap “Mitten im Leben!” an, die uns zeigen soll, wie es in Deutschlands Wohnungen wirklich aussieht.
RTL beschreibt das Format übrigens so:
Außergewöhnliche Geschichten des Alltags: Von mutigen ersten Schritten in eine bessere Zukunft über aufreibende Familienkonflikte bis hin zu berührenden Auseinandersetzungen mit harten Schicksalsschlägen.
Dann schauen wir uns das doch mal genauer an. In einer vor wenigen Tagen ausgestrahlten Folge geht es um Daniela, die uns als Esoterik-Fan vorgestellt wird. Sie hat in einem Hexen-Buch von einer Ausräucherungstechnik gelesen und will die negativen Schwingungen in der Wohnung beseitigen, die seit einem Streit mit ihrem Freund Dirk umhergeistern.

Dabei geht Daniela natürlich sorgsam mit der Hexen-Technik um, liest aber nebenher noch in einem Tarot-Buch, um sich fortzubilden. “Unbemerkt”, so erzählt uns die Sprecherin, “rollt der Salbeistrauch auf das Sofa und entfacht einen Brand.” So unbemerkt, wie es eben geschehen kann, wenn ein RTL-Kamerateam vor Ort ist. Im Hintergrund läuft zu diesem Zeitpunkt übrigens “Baby light my fire”.

Irgendwann bemerkt Daniela das Feuer dann doch. Blitzartig springt sie auf und schreit um Hilfe:

Nun lernen wir auch Danielas Freund Dirk kennen, der jedoch alles andere als ruhig und gelassen reagiert. Stattdessen hat er nur eine Sorge: “Das zahlst du mir, glaub mir das!”

Doch dann kommt Daniela eine zündende Idee. Sie nimmt einfach die auf dem Tisch stehende Sprühsahne und versucht zu retten, was eigentlich nicht mehr zu retten ist:

Daniel sprüht und sprüht und sprüht – bis das Feuer schließlich vorschriftsgemäß gelöscht ist!

Nach getaner Heldentat braucht Daniela erst mal eine anständige Verköstigung:

Dummerweise muss Daniela feststellen, dass das Feuer doch noch nicht ganz gelöscht ist – die Sahne ist nach der zwischenzeitlichen Stillung des Hungers allerdings leer. Und so tut Daniela, was eine wahre Heldin eben in einer derart ernsten Situation tun muss:

Und dann ist das Feuer doch noch aus. Der Brand scheint Daniela jedoch nicht sonderlich zu stören. Sie hat ganz andere Probleme: “Schon schade um die leckere Sahne. Aber irgendwie muss ich ja löschen”, sagt sie – und fügt hinzu: “Aber so schmeckt sie ja auch.”

Dann endlich trifft Dirk wieder ein – bewaffnet mit einem Feuerlöscher. Zu tun hat er aber nichts mehr. Außer sich ist er trotzdem: “Was hast du für ‘ne Kacke hier gemacht?”, schreit er und wendet sich schließlich genervt ab.

Weil sie ein schlechtes Gewissen plagt, räumt Daniela später die Wohnung auf – und versaut dabei alles fachgerecht hinter dem Sofa. Und überhaupt: Das Sofa selbst hat auch schon bessere Tage erlebt. Sorgfältig verstopft Daniela das Brandloch, das – wie die Sprecherin betont – “nach einigen Handgriffen schon wieder gemütlich” aussieht:

Klar, dass man sich nach so viel Arbeit eine “Stärkung” verdient hat:

Weil Daniela eine solch romantische Ader hat, hat sie sich eigens eine Nebelmaschine angeschafft – nur um ihren Dirk zu beeindrucken. Das Ergebnis ist… nun ja… sagen wir: neblig.

Doch das ist noch nicht alles. Weil Daniela bekanntermaßen Esoterik-Fan ist, hat sie noch ein paar “Traumfänger” organisiert, die sie geschickt im Bad über der Toilette dekorieren möchte.

Es kommt, wie es kommen musste: Die Bäckerei-Fachverkäuferin bricht durch die Fülle ihres Gewichts ein und bleibt schließlich in der Kloschüssel hängen.

Zur Hilfe kann selbstredend keiner kommen – der Kameramann steht schließlich mehr als zwei Meter entfernt. Und so ruft Daniela um Hilfe: “Ich will hier raus!” Ein Glück: Ihr Schatzi Dirk erhört sie und findet sie schließlich in überraschender Position…

Mitbewohner Dirk ist bedient und schimpft “Bin ich Klempner, oder was?” Nach getaner Arbeit blickt Dirk – nun merklich angesäuert – in die Schüssel. “Samma, wie sieht denn der Pott aus?”

Eine Lösung für die verschmutzte Schüssel hat Dirk aber schon bereit: “Das kommt von deiner Ravioli, die du immer frisst!” Doch das kann Daniela natürlich nicht auf sich sitzen lassen. Persönlich beleidigt entgegnet sie ihm: “Von wegen Ravioli! Da wär die Kacke rot und nicht braun!”
Am Tag danach will Daniela aber alles wieder gutmachen. Dafür war sie sogar einkaufen.

Die “Hobbyköchin”, so betont die Sprecherin, will Dirks Leibgericht zubereiten: Hamburger. “Vielleicht rettet das ja die Freundschaft”, sagt Daniela. Ein netter Zug. Dumm nur, dass sie gerade keine passende Pfanne zur Hand hat, in der sie alle vier Hamburger gleichzeitig zubereiten kann. Doch Daniela wäre nicht Daniela, hätte sie nicht schon eine Lösung parat: Sie schmiert einfach das komplette Cerankochfeld mit Margarine ein:

Weil RTL seinen eigenen Zuschauern offenkundig nicht allzu viel Intelligenz zugesteht, gibt es die passende Einblendung natürlich frei Haus.
Die Idee dahinter ist allerdings gar nicht schlecht: “Daniela bestreicht das Kochfeld großzügig mit Margarine, damit die Fleischbratlinge nicht haften bleiben”, erzählt die Sprecherin. Ein Glück, dass Dirk vom Garten aus die zunehmende Rauchentwicklung bemerkt und sich geistesgegenwärtig auf den Weg in die Küche begibt.

Daniela selbst scheint hingegen noch nicht beunruhigt zu sein und hofft weiter inständig, ihrem Dirk eine kleine Freude bereiten zu können.

Die Freude findet jedoch ein plötzliches Ende, als Dirk die Küche betritt. “Samma, tickst du noch richtig?”, schreit er und rettet, was zu retten ist. Als dann auch noch der Rauchmelder erklingt, ist das Chaos perfekt. “Ich seh die Burger nicht mehr!”, schreit Daniela, was Dirk mit einem verärgerten “Weg mit dem Kack!” erwidert.
Daniela ist sich keiner Schuld bewusst und darf ihr Handeln später schlüssig erklären:

Sie will jedoch nicht aufgeben und verspricht ihrem Dirk: “Ich zaubere dir was Leckeres!” Gesagt, getan: Mit einer Mischung aus Ketchup und Sahne (“zum Verfeinern”) stellt sie eine leckere Hamburger-Mischung her – eine “Spezial-Soße”, wie die Sprecherin anmerkt:

Ein wenig Naschen ist dabei natürlich (mal wieder) erlaubt:

Und dann kann es beginnen, das romantische Candlelight-Dinner mit Apfelsaft aus Plastikflaschen. Dirks letzte Worte: “Na, man kann’s essen.”

Und so endet mal wieder eine Folge der herzzerreißenden Dokusoap “Mitten im Leben” – mit all ihren “berührenden Auseinandersetzungen” und “harten Schicksalsschlägen”. Bis zum nächsten Mal, falls Sie sich nach diesen Eindrücken nicht schon längst aus dem Fenster gestürzt haben sollten.
Screenshots: RTL

6 Kommentare
DanielS
7. Mai 2011 um 21:03
Man muss immer wieder verwundert feststellen, dass so ein Dünnpfiff auch noch bis zu 30 Prozent Marktanteil holt. Einfach nur unfassbar.
Ich weiß daher nicht, ob ich deine Zusammenfassung der Geschehnisse eher amüsant, oder traurig finden soll. Irgendwie trifft beides zu.
Marcel
7. Mai 2011 um 21:08
Ich bin gerade in einem Status zwischen Fassunglosigkeit und Amüsement. Und ich dachte, das was Stefan Raab alle paar Wochen mal zeigt wäre schon der Höhepunkt. Krasse Sache. Dass es Leute gibt, die dies vor der Kamera spielen, okay. Aber wer ist bitte so krank im Kopf und kommt auf so Ideen?!
DerOwie
7. Mai 2011 um 21:34
Großen Respekt fürs Durchhalten.
Man will gar nicht fassen, wie grausam das doch wirklich ist.
Das Verwerfliche an solchen Sendungen ist auf so vielen Ebenen zu finden, es ist echt nicht zum aushalten. Menschen prostituieren sich unwissentlich für “wenig” Geld und werden zum “Asozialen Hartz IV-Empfänger” nach RTL-Gusto gemacht. Und diese Sozialpornos prägen dann das Gesellschaftsbild.
Zum Thema passend und einen guten Überblick gebend: Die aktuelle “Panorama, die Reporter”-Ausgabe. Zu finden unter: http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/panorama_die_reporter/luegenfernsehen105.html
Deien
15. Mai 2012 um 08:56
Dumme leute gibts
Anti Dumm Dumm Agent
3. Dezember 2012 um 14:36
ich habe als ich die Folge gesehen habe tränen gelacht. Es ist manchmal echt besser als eine Komödie
Ich habe mit meiner Frau und meiner Schwester eben über das Thema gesprochen, und ich hab nochmal danach bei Google unter wie hieß die bei mitten im Leben die eine Couch mit Schlagsahne gelöscht hat
siehe da schon gefunden. Für sie peinlich das dass Internet nicht vergisst.
RTL - Bei uns sind Menschen weRTLos
22. März 2013 um 13:02
Natürlich holen solche Sendungen einen hohen Marktanteil.. zeige dem Dummen einfach jemanden, der noch dümmer ist als er.. und der Dumme fühlt sich gut, weil er merkt, dass doch noch etwas schlauer ist, als die Typen in der Sendung.
Ich vermute, hier entwickelt sich eine Art psychische Abhängigkeit.. schliesslich suggeriert einem die Sendung, das man selbst noch relativ schlau ist.. im Vergleich zu den Protagonisten der Sendung.
Eigentlich sehr clever gedacht von RTL.. menschenverachtend, aber clever !