13. Januar 2010 | 14:54 | Blog | Ein Kommentar
Schon wieder ein Neustart
“Man darf gespannt sein, wann Sat.1 endlich aus seinen Fehlern lernt. Kluges Handeln statt kopfloses Risiko ist gefragter denn je.”
Ein Zitat aus meinem vor gut einem Monat in diesem Blog erschienen Kommentar bezüglich der anhaltenden Quotenschwäche von Sat.1. Darin habe ich noch einmal auf so manche Schwachstelle im Programm des Münchner Senders hingewiesen: Kerner, Pocher, Fußball ohne Bayern. Selbst solch prominente und zugleich teure Einkäufe haben Sat.1 nicht helfen können.
Heute steht der Sender nicht besser da als vor einem Jahr – und der Chef, der für all diese Einkäufe verantwortlich ist, wird in wenigen Tagen sang- und klanglos von der Bühne gehen. Guido Bolton, nur etwas mehr als ein Jahr im Amt, hatte zwar viel vor, doch wirklich viel hat er rückblickend betrachtet dann doch nicht auf die Beine gestellt.
An bis zu fünf Abenden in der Woche werden Spielfilme gezeigt, sämtliche Show-Versuche scheiterten, der Serien-Acker liegt brach und für die Gerichtsshows, die den Tagesschnitt auch nach wie vor noch stets anheben, wird immer weniger Geld ausgegeben. Hinzu kommt, dass der Vorabend durch die neue Soap “Eine wie keine” nun sogar deutlich schlechter läuft als vor einem Jahr und große Sensationen und Überraschungen für die kommenden Monate nicht zu erwarten sind.
Und mit welchen Worten verabschiedet sich Bolten?
Mit diesen:
“Sat.1 ist nach der Restrukturierung programmlich für die Zukunft gut gerüstet.”
Für die Zukunft gerüstet? Kerner holt selbst bei quotenstarkem Vorprogramm nicht mal zehn Prozent und beginnt manchmal sogar erst gegen Mitternacht. Pocher hat nicht das Zeug zum Late-Night-Moderator und sucht derzeit sowohl Konzept als auch Zuschauer. Und die teure Europa League, die regelmäßige Serien-Ausstrahlungen blockiert, hat bisher noch nicht im Geringsten die Quoten-Erwartungen erfüllt.
Dazu kommt, dass seit Wochen Wiederholungen von “Genial daneben” laufen – auf einem Sendeplatz, der für diese Show bereits seit Jahren ungeeignet ist. Wie man mit einer solch genialen Show-Idee derart lieblos umgeht, erscheint völlig schleierhaft. Die “Schillerstraße” ist darüber hinaus längst tot – und zwar seit Jahren. Die letzten beiden erfolgreichen Freitags-Comedy machen ohne Grund fünf Wochen Pause und kehren wenig überraschend mit schwachen Quoten zurück. Innovative Konzepte? Fehlanzeige. Stattdessen wird munter in Dokusoaps investiert, die dann auch noch auf völlig aussichtslosen Sendeplätzen gezeigt werden.
Es gibt also viel zu tun, doch allmählich zweifle ich daran, ob es überhaupt noch möglich ist, aus Sat.1 einen attraktiven Fernsehsender zu machen, der dann auch RTL mal wieder den einen oder anderen Seitenhieb verpassen kann.

Ein Kommentar
Kai
13. Januar 2010 um 22:58
Wie immer treffend analysiert. Es würde eine kleine Änderung nicht viel bringen, eine größere Änderung hingegen schon. Herr Bolten hat ja eins richtig gemacht. Er hat “neue” Gesichter ins den Einheitsbreit von Sat. 1 gemischt. Leider reicht das nicht von alleine aus. Es müssen neue Shows folgen und der verfluchte Comedyfreitag zu Grabe getragen werden. Serien sollten auf dem Sendeplatz bleiben und ihren festen Termin (jede Woche!) haben. An Tagen wo Fußball läuft, könnten dann ganz einfach Filme gezeigt werden, so macht man weniger Verluste. Mehr Liveshow´s und Nachrichten fehlen ebenfalls. Man täte sich auch nicht schlecht anstellen, wenn man neue Serien mit reinnimmt.