17. Oktober 2009 | 11:05 | Flimmerkiste | 4 Kommentare

No, Sat.1 Can Not

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Man kann sich über Niveau im Fernsehen je bekanntlich streiten – etwa wenn es um Unterhaltungsshows geht. Ist “Deutschland sucht den Superstar” wirklich so niveaulos wie mancher meint? Oder ist es nicht einfach eine hervorragende Produktion, die zeigt, wie modernes Fernsehen im 21. Jahrhundert auszusehen hat? Muss man nach unzähligen Staffeln wirklich Mitleid mit den ach so armen Protagonisten haben, die sich vor einem Millionenpublikum zum Affen machen wollen?

Ein heikles Thema, über das sich sicherlich an anderer Stelle noch einmal genauer diskutieren lässt. Festzuhalten ist, dass es RTL wohl wie kein zweiter Sender in Deutschland verstanden hat, seine Shows in Szene zu setzen. Wer am Freitagabend den Staffel-Auftakt zu “Das Supertalent” gesehen hat, weiß wahrscheinlich, was ich meine. Da werden Daniel Hartwich und Marco Schreyl auf einen Truck gestellt, um – Loveparade-gleich – das Publikum zu begrüßen, während die tobende Masse am Straßenrand steht und den Juroren zujubelt.

Da wird eine rüstige Berliner Rentnerin bejubelt, weil sie das “Lied von der Hausfrau” singt und es wird gegröhlt, wenn ein durchgeknallter Engländer durch Fürze die Kerzen auf einem Kuchen ausblasen kann. Man mag von alledem halten, was man will: Es ist die perfekte Inszenierung einer Show. Und ich gebe es zu: Es hat mich durchaus unterhalten, wohl wissend, dass “Das Supertalent” nicht den Tiefgang eines von Günter Gaus geführten Gespräches hatte.

Als die Sendung zu Ende war, wagte ich es umzuschalten. Zu Sat.1, wo noch “Yes We Can Dance” lief. Gut fünf Minuten tat ich mir an, ehe sich für immer der Vorhang schloss. Es war ein Kontrast, wie er stärker nicht hätte ausfallen können: Eben noch die große Showbühne, nun lächerlich verkleidete D-Promis, die allen Ernstes der Meinung sind, sie hätten das Publikum gut unterhalten. Als es darum ging, einen Sieger zu finden und es auf Giovanni Zarella oder Ross Antony hinauslief, kündigte Zarella an, im Falle eines Gewinns die Siegprämie für den guten Zweck teilen zu wollen. Nun war die Spannung endgültig dahin – spätestens jetzt war es gänzlich egal, wer gewinnen würde. Mal ganz davon abgesehen, dass es ohnehin egal war.

Was folgt, war ein wenig Glitter von der Studiodecke und der Dank von Kai Pflaume an das Team. Viel mehr haben wohl ohnehin nicht zugesehen. Vielleicht hätte sich das Team mal bei RTL ansehen sollen, wie man eine eigentlich mehr oder weniger belanglose Unterhaltungsshow dem Publikum möglich perfekt präsentiert. So spottete “Yes We Can Dance” – trozt gleichem Produzenten – erst recht jeglicher Beschreibung.

(c) Foto: RTL / Stefan Gregorowius
4 Kommentare

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Thomas

17. Oktober 2009 um 11:14

Naja, es ist ja das gleiche Team: Beide Shows sind vom gleichen Produzenten

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admin

17. Oktober 2009 um 11:43

Ja, eigentlich umso erstaunlicher. Legt die Vermutung nahe, dass es letztlich auch ein wenig am Sender liegt. Das ist ein Phänomen, das ich generell bei Sat.1-Shows feststelle – sie wirken deutlich provinzieller als das, was RTL in solchen Fällen abliefert. Kann das so genau gar nicht in Worte fassen.

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Henrik

17. Oktober 2009 um 15:55

Es ist zwar der gleiche Produzent, aber ich denke, dass es große Unterschiede beim Budget gibt. Während bei RTL bei wichtigen Produktionen wie “Das Supertalent” offenbar auch heute noch das Motto “Klotzen statt kleckern” gilt, kommt es mir bei Sat.1-Produktionen wie “Yes we can dance” so vor, als ob man sich beim Sender gesagt hat: “Wir leisten uns eine halbwegs aufwendige Studiokulisse und bei den restlichen Posten ist Sparen angesagt.” Und der Zuschauer merkt dann glaube ich schon den Unterschied, ob ein Sender 1,5 Millionen Euro oder 0,5 Millionen Euro für eine Folge einer Castingshow ausgibt.

Und dann hat Sat.1 natürlich noch mit seinem Relevanz-Problem zu kämpfen, worunter der Show- und Info-Bereich besonders zu leiden hat. Kann sein, dass sich das mit Kerner, Pocher und Spitzenfußball demnächst wider ein wenig ändern wird, bin da aber noch etwas skeptisch.

In Sachen (Cross-)Promotion kann Sat.1 natürlich auch noch viel lernen. Die Sat.1-Crosspromo-Beiträge, die ich gelegentlich im Sat.1-Frühstücksfernsehen sehe, finde ich meistens unheimlich dillentantisch gemacht. Langweilig getextet, laienhaft geschnitten, oft viel zu lang und einfach uninteressant. Dass der Zuschauer damit neugierig gemacht wird, glaube ich nicht. Wahrscheinlicher ist eine Reaktion wie “Oh Gott, diese neue Sat.1-Sendung scheint ja total öde zu sein. Muss ich mir also nicht anschauen.” Das bekommt RTL in “Punkt 12″ und Co. wesentlich besser hin.

Was mich konkret bei “Yes we can dance” auch noch gestört hat, war die Jury. Die drei Juroren hatten in etwa die gleiche Prominenz wie die Kandidaten. Das passte irgendwie nicht. Da hätte ich eher zwei interessante No Names wie Joachim Llambi bei “Let’s Dance” und etwas mehr Geld für einen A- oder B-Plus-Promi als drittes Jury-Mitglied in die Hand genommen.

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admin

17. Oktober 2009 um 17:39

Absolute Zustimmung – in allen Punkten…

Ich denke, man hat diesen Unterschied einfach deutlich gesehen, wenn man von einer Sendung zu anderen geschaltet hat. Und die Jury war natürlich in der Tat ein Witz: Wigald Boning musste wahrscheinlich irgendwo untergebracht werden, nachdem “Clever” ausgelaufen war.

Und wenn ich dann in der Finalshow sowas höre wie “Das Frühstücksfernsehen-Team ist Dritter geworden”, dann drehen sich mir da die Fußnägel. Da muss sich dann eben niemand wundern.

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